Fischzüchter Paul Menzel (li.) wurde von einer Spaziergängerin verklagt, die sich auf seinem Privatgrund verletzte.

Fischzüchter verklagt: Eine Spaziergängerin verletzt sich auf dem Privatgrund eines Fischzüchters und erhebt Klage gegen ihn. Trotz eindeutiger Beschilderungen.

Der Vorfall erinnert fast ein wenig an das schon legendäre „Kuh-Urteil“ in Tirol aus dem Jahr 2014. Seinerzeit wurde im Tiroler Pinnistal eine deutsche Urlauberin von Mutterkühen getötet. Als sie mit ihrem Hund auf der Weide des Bauern unterwegs war, wurde sie plötzlich von Kühen attackiert und zu Tode getrampelt. Nach einem jahrelangen Verfahren zwischen den Hinterbliebenen und dem Almbauern lautete das Urteil: Teilschuld des Viehzüchters. Aufgrund dessen musste der Bauer der hinterbliebenen Familie 180.000 Euro sowie eine monatliche Rente von rund 1.500 Euro zahlen. Das Urteil wurde heftig diskutiert. Ähnlich, wenngleich (Gottseidank) harmloser der aktuelle Fall in Waldschach. Jedoch ergeht es dem weststeirischen Fischzüchter und Gutsbesitzer Paul Menzel ähnlich wie seinerzeit dem Tiroler Almbauern. Er wurde nämlich verklagt. Von einer Spaziergängerin. Die auf seinem Privatgrund(!) unterwegs war.

„A klassa Kerl“

Menzel ist in Fischereikreisen einer der Großen. Nicht nur ob der Größe seiner Anlage – dem Waldschacher See samt umliegenden Teichen – sondern vielmehr auch seines Charakters wegen. Stets freundlich, höflich und vor allem sympathisch zugänglich und hilfsbereit haben wir ihn in der Vergangenheit kennengelernt. Auf steirisch gesagt „a klassa Kerl“. Dies wurde auch stets von den am Waldschacher See angesiedelten Ferienhausbesitzern und all jenen berichtet, die in fischereilichen Belangen mit ihm zu tun haben. Dass ihm genau diese Eigenschaft nun nachteilig wird, hätte man nicht erahnt. Die Region um den See und die Fischzucht waren für Wanderer und Spaziergänger stets frei zugänglich, obwohl sein Privatbesitz. Auf Schildern wurde rund um das Gebiet auf etwaige Haftungen und Gefahren höchst deutlich hingewiesen. Menzel erlaubte aber den freien Zugang. Dieser wurde auch von tausenden Spaziergängern und Wanderern aus der ganzen Region freudig angenommen.

Müll, Schäden, Hundesch…

Er selbst – Menzel – erhielt dafür was? Haufenweise Müll an jeder Ecke, beschädigte Teile seiner Anlagen und prall gefüllte Hundekot-Sackerl in Büschen und manchmal sogar im Wasser. All das nahm er in Kauf. Im Sinne der Gemeinschaft und um die Menschen auch an der Natur und Schönheit des Sees teilhaben zu lassen. Bis jetzt. Die Klage der verletzten Spaziergängerin und das laufende Verfahren brachten das Fass zum Überlaufen. Menzel hat seinen Grund nunmehr abgesperrt und mit Betretungsverboten umgeben. Bedeutet konkret: Keine Spaziergänge oder Wanderungen mehr auf seinem Privatgrund.

Fischzüchter verklagt, was nun? Man darf gespannt sein, ob sich die Wogen im Gut Waldschach wieder glätten oder ob die Klage der Spaziergängerin von Erfolg gekrönt und der Waldschacher See auch zukünftig für Nicht-Befugte gesperrt bleiben wird. Die Gemeinde St. Nikolai im Sausal ist jedenfalls um Kalmierung und Lösungen bemüht.


0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.