Angeln in Sozialen Medien - Es braucht Hausverstand und breiten Konsens, um das Bild nach außen positiv zu zeichnen.

Angler als „pubertierende Proleten“ auf Facebook, Instagram, Youtube, Tik Tok: Soziale Medien bestimmen unser aller Leben. Nichts Neues. Per se obliegt diesen Plattformen ein positiver Gedanke zugrunde. Menschen digital zusammenbringen. Soziale Verbindungen schaffen, wo lange keine möglich waren. Vernetzung von Interessen par excellence. Das bringt auch derbe Probleme.

Soziale Medien bringen Chancen, definitiv. Vor allem für Menschen, die zwar selben Interessen frönen, aber disloziert leben. Beim Angeln zum Beispiel. In Deutschland gibt es rund 3,8 Mio. Hobby-Angler, für Österreich liegen keine genauen Zahlen vor, aber Schätzungen reichen bis 120.000. Für die meisten, vor allem jüngeren Angler, bieten Facebook & Co hier die Möglichkeit eines Informationsaustausches. Gewässer, Taktiken, Tipps zu Ausrüstung und Reiseempfehlungen. Toll!

Darüber hinaus sind Angler (wie übrigens auch Jäger) der Natur näher als jeder Tierrechtsaktivist oder hippe Student in Muttis Wohlfühl-Umgebung, der monatlich 5€ an eine Organisation überweist, im Glauben, damit etwas Gutes zu tun. Gut, anderes Thema. Viele Angler legen echten Wert auf das Tier-Wohl. Dient es doch einerseits der Beschaffung von qualitativ hochwertiger Nahrung – im Gegensatz zum Lachsforellen-Filet vom Discounter ums Eck. Apropos Lachsforelle… dieser Marketing-Shit treibt mich bei beim Passieren jeder TK-Box oder bei jedem Blick auf Speisekarten zu Zornesröten. Aber: Auch anderes Thema.

Angler sind Tierschützer!

Andererseits beschäftigen sich viele Angler als unmittelbar Betroffene auch intensiv mit Themen wie Klimawandel, Natur- und Umweltschutz, Fischrettung oder Biodiversität. Man engagiert sich für die Erhaltung natürlicher Fließgewässer, man stellt sich gegen Gewässerverschmutzung und Raubbau an Flüssen und andern aquatischen Lebenswelten. Gegen die Ausrottung bedrohter Tierarten, die man nicht sofort sehen kann. Tierschutz endet nämlich nicht an der Wasseroberfläche!

Eigentlich alles Themen, die man perfekt mithilfe Sozialer Medien in die breite Öffentlichkeit tragen kann. Verständnis zu schaffen bei der nichtfischenden Bevölkerung. Zeigen, wie regionaler Natur- und Tierschutz wirklich funktionieren kann, anstatt monetär aufgeblasener TV-Werbungen mit dem letzten aller sibirischen Dschungeltiger-Gorillas. Nicht, dass dies jetzt unwichtig wäre, aber wissen wir, wo all die Gelder hingehen? Nun, es gibt da Untersuchungen… ach lassen wir das. Wieder anderes Thema.

Also: In jedem Fall Themen, die man auf unterschiedlichen Plattformen präsentieren kann. Positiv präsentieren! Eine intakte Natur zeigen. Beispielgebend sein, wie Mensch und Tier einhergehen können. Sinn und Nutzen der Angelfischerei und der Angler den vielen Unwissenden vorstellen. Soziale Medien bieten ideale Voraussetzungen dafür. Eigentlich.

Prolet Angler?

Denn: Reger Austausch und differente Meinungen bringen ein anderes Phänomen aufs Tapet. Meinungsverschiedenheiten. Gut, als Angler sind wir derlei unterschiedliche Zugänge gewohnt. Wenige andere Hobbies umspannen eine derart heterogene Gemeinschaft. Aber auf das Internet umgelegt, zeigt sich dadurch vielfach ein unschönes Bild. Unterschiedliche Vorstellungen, wie wir fischereiliche Bilder, Videos und Worte nach außen darstellen und transportieren sollten, verhindern die Chance, eine breite Zustimmung oder ein Verständnis der nichtfischenden Gesellschaft zu bekommen. Oder anders, direkter gesagt: Meist zeichnen wir das Bild von „pubertierenden Proleten“!

Man möge mich steinigen, aber fishporn-Fotos und Videos im Netz schaffen ein gewisses Bild. Den 30kg schweren Karpfen mit ausgefranstem Maul oben ohne zu präsentieren, naja. Dazu vielleicht noch ein vom Alkoholkonsum errötetes Haupt? Puh. Den 1,2 Meter langen Huchen im Sand „paniert“ oder gleich auf Eis und Schnee abgelegt? Geh bitte. Blutiger Kiemengriff bei einem kapitalen Hecht, Huchen oder Zander, Welse an Nylonseilen angeleint fotografieren? Das Ganze natürlich drapiert mit dem ultimativen Erfolgsköder und fett den Angelshop oder das „Tackle-Team“ genannt, verlinkt, whatever. Da werden dann schonmal Kunstköder vom bezahlenden Hersteller nachträglich extra in den Maulwinkel gestochen. Schwierig, das alles in irgendeiner Weise mit Waidgerechtigkeit – für einige ja ein völlig unbekannter Begriff – oder Respekt vor der Kreatur zu argumentieren. Auf Instagram, Facebook und Youtube allerdings alles kein Problem! Selbstdarstellung über alles. Geil ist, was Spaß macht! Geiler ist, was Likes und Kohle bringt!

Es fehlt kollektive Reife

Uns Anglern fehlt einfach eine kollektive Reife. Reife im Umgang mit Sozialen Medien, mit der Öffentlichkeit. Reife im Verständnis darüber, was unsere Online-Darstellungen auslösen. Wir alle müssen verstehen, dass wir nicht einerseits auf Prädatoren-Probleme und Flussverbau oder Gewässerverschmutzung aufmerksam machen können, wenn auf der anderen Seite Videos pubertierender Handlungen nahe der Tierquälerei hochgeladen werden. Wie sollen wir ernstgenommen werden? Von Nichtfischern, von Firmen, von Institutionen, ja von Behörden oder gar politischen Entscheidungsträgern, von denen wir tagtäglich abhängig sind? Wie? Im Gegenteil, das ist wie Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Unsere Argumentationen verlieren völlig an Substrat. Wir werden oft in die Deppen-Ecke gestellt und bei wichtigen Entscheidungsprozessen ausgeklammert.

Doch was ist die Lösung? Vielleicht braucht es einfach Standards. Standards, wie sie bei der Fischerprüfung ja bereits weithin üblich sind. Vielleicht muss man hier in der Ausbildung der Angler ansetzen. One-way Öffentlichkeitsarbeit war gestern. In Sozialen Medien ist jeder einzelne Angler ein Spiegelbild der Angelfischerei nach außen. Warum also nicht bereits die Jugend, die sowieso digital-natives, gleich mitnehmen? Warum nicht auch freiwillige Schulungsrunden, Webinare oder ähnliches für ältere Angler anbieten? Jene, die mitunter erst kürzlich oder zukünftig in die Welt des mobilen Internets und der Sozialen Medien eintauchen („Silversurfer“). Gerade in dieser Generation ist es wichtig, Verständnis zu schaffen. Denn: Nein! Es ist nicht alles so wie früher. Nein, wir machen das nicht weiterhin so, weil wir es immer so gemacht haben. Hier sehe ich vor allem Verbände und Vereine gefordert!

Hausverstand, Moral, Respekt

Fix ist: Wir Angler brauchen einen breiten Konsens über unser Bild nach außen. Nicht nur, aber vor allem im Internet. Wir brauchen mehr Kompetenz in digitaler Öffentlichkeit, denn in Sozialen Medien ist jedes Wort öffentlich, selbst wenn in „geschlossenen Gruppen“ oder Gruppenchats gepostet. Das muss uns allen(!) unbedingt bewusst sein. Nur so können wir zum einen eine Grundlage für ein positives Bild der Angelfischerei zeichnen und zum anderen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.

Zu guter Letzt noch ein Appell: Benutzen wir doch unseren „Hausverstand“, agieren wir nach moralisch-ethischen Grundsätzen. Respektieren wir das Geschöpf Fisch. Wenn wir das kollektiv hinbekommen, schaffen wir ein positives Bild und die Likes kommen von ganz alleine 😉

2 Kommentare
  1. Philip Payer sagte:

    Zu dem Thema gibt es sicherlich Einiges an Verbesserungsbedarf, ich hege jedoch meine Zweifel…..Auch auf die Gefahr hin, Stereo-Typen- oder Schubladen-Denken anzuwenden, bin ich der Meinung, dass du in deinem Thema 2 grundsätzlich verschiedene Menschen-Typen beschreibst – > abgeleitet davon auch grundverschiedene Angler-Gruppen.

    1. Angler, deren Bestreben es ist, die Natur (auch wenn die Biotope natürlich zT künstlich geschaffen wurden) in ihrem Einflussbereich zu erhalten, auch dann wenn sie viel Zeit, persönlichen Einsatz und Geld investieren müssen und das dauerhaft angelegt und nicht nur nach Belieben….
    2. Angler, deren oberste Priorität das Angeln selbst bzw. auch das Rahmenprogramm in Form von Freizeitkonsum darstellt und sich dafür gegen Entgelt mit Kind und Kegel, Partyzelt, Griller und Hund an Gewässer begeben um dort dann möglichst schnell und einfach kapitale Exemplare für Social-Media Fotos und Videos zu erbeuten…….
    Dass Social Media grundsätzlich höchst inflationäre Ausmaße annimmt ist ja kein Phänomen der Angler, wenn man bedenkt, auf welche Blödsinnigkeiten mit zT. dramatischen Folgen in der Echten Welt, sich manche Menschen einlassen…..würden die soetwas auch machen, wenn die Welt nicht an ihrer Selbstdarstellung teilhaben könnte?
    Nichts desto trotz, wirst du zwischen den beiden oben beschriebenen Grundgesamtheiten eine nur sehr sehr kleine Schnittmenge finden – > Angler aus der ersten Gruppe werden sich kaum bei Ekelaktionen mit tierquälerischen Handlungen beteiligen bzw. auch keine beeinträchtigten Fische fotografieren und veröffentlichen…..
    Angler aus der zweiten Gruppe, wirst du kaum unter den Aufsichtsorganen an einem Gewässer finden, sie werden auch nicht auf Abruf zum Weiher fahren, um ein ertrunkenes Wildtier rauszuholen oder ständig persönliche Knochenarbeit leisten um ein Gelände „in Schuss“ zu halten. Die wirst du eher auf Social Media treffen, mit Großkarpfen am Foto, der zwischen Fang und Schnappschuss einige Minuten an Land verbracht hat und zwischen den Schnappschüssen mit jedem einzelnen Familienmitglied 3 x zu Boden gefallen ist, bis er dann geschunden und unterversorgt wieder zurückgesetzt wird……
    Der Vergleich mit der Jagd ist zwar, was bestimmte Probleme betrifft ähnlich, ich gebe jedoch zu bedenken, dass im krassen Gegensatz zu uns Anglern, die Jäger bestens politisch vernetzt sind, eine traditionell starke Lobby aufgebaut haben und deren Vertreter meist bestens gebildete Personen mit Expertenwissen sind, die man auch getrost an der Ausarbeitung von Gesetzestexten, an Zusammenkünften mit Behörden usw. mitwirken lassen kann, ohne, dass die gesamte Jägerschaft in einem falschen Licht dargestellt wird………..
    Da haben wir Angler noch viel Arbeit vor uns oder wir warten einfach ab, dann ist es bald vorbei….

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    • Markus sagte:

      Angesichts deiner Worte vermute ich, dass du ähnliche Beobachtungen gemacht hast.
      Betreffend der Schnittmenge liegst du erfahrungsgemäß richtig. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und zugespitzt behaupten: Eines schließt das andere aus.
      Den Vergleich mit der Jagd habe ich aber bewusst platziert, denn es geht nicht um die politische und/oder wirtschaftliche Vernetzung, sondern um die Außenwirkung einer Tätigkeit, die nicht nur für Natur & Tier bzw. nahe dran, sondern mitten drinnen ist. Da geht es nicht um eingezahlte Erlagscheine. Und die Außenwirkung ist bei beiden Gruppierungen nicht die allerbeste – unabhängig der Vernetzung.
      Wobei die Jagd der großen Vorteil hat, dass man seine Beute sieht und gezielt entscheiden kann, ob man sie entnimmt oder nicht. Beim Angeln kann man das bloß anhand spezieller Methoden versuchen, die Zielspezies einzugrenzen, was aber niemals 100% sind. Insofern werden Angler immer ein größeres Argumentationsproblem haben, was es imho noch wichtiger macht, auf die Außenwahrnehmung zu achten.

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