Menschlicher Fischlift für die Äsche. Tiroler retten Fisch des Jahres. - Screenshot orf.at

Mit der Wahl zum „Fisch des Jahres 2021“ wollte man der Äsche eine besondere Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Auch den Problemen, mit denen die Äsche zu kämpfen hat. Es hat sich ausgezahlt! Tiroler Fischer betätigen sich nun quasi als menschlicher Fischlift für den „Fisch des Jahres 2021“ und ernten dafür Lob im größten Medium Österreichs.

Wahrlich als kleines Wunder kann man es bezeichnen, wenn Fische Präsenz in Massenmedien erhalten. Die Probleme der Fische finden selten Beachtung über fischereiliche Grenzen und special interest Medien hinaus. Sind viele der Probleme doch durch Menschenhand verursacht und werden von unterschiedlichen Lobbys (Wasserkraftbetreiber, Energiekonzerne, Agrarwirtschaft, Tourismus, etc.) kleingeredet. Selbst für Naturschützer endet Tierschutz vielfach an der Wasseroberfläche (Stichwort: „spendenbringende Prädatoren“). Geschenkt! Zum Positiven…

Menschlicher Fischlift

Darum ist es gerade umso schöner, dass sich mit dem ORF das größte Medium Österreichs den Fischen, hier stellvertretend der Äsche, annehmen und einen großen Bericht darüber bringen. So wurde kürzlich unter dem Motto „Fischer als Retter der Äschen“ ein ausführlicher Bericht veröffentlicht. In diesem werden die Mühen der Fischer aus Landeck beschrieben, die versuchen, sich selbst als „menschlicher Fischlift“ zu betätigen, damit zumindest einige Äschen wieder ihre Laichplätze erreichen.

So wird hier die Geschichte vom Fliegenfischer und Naturschützer Helmut Alexander aus Landeck erzählt. Der 72-Jährige (!!!) hat dem ORF-Bericht zufolge „vor Jahren bemerkt, dass im Frühjahr, wenn das Schmelzwasser kommt, die Äschen vom Inn in die Sanna zum Laichen wollen. Dort kommen sie aber nicht mehr hin, weil sie es nicht über die Schwelle rauf schaffen“. Auf diese Beobachtung hin ergriff er Eigeninitiative und begann Äschen nur mehr mit einem einzigen Ziel zu fangen: Sie unterhalb der Schwelle mit der Fliege zu überlisten, in einen Fisch-Behälter zu geben, nur um sie dann flussaufwärts zu tragen und dort oberhalb der Schwelle wieder freizulassen. Nur so können sie wieder ihre Laichplätze erreichen und sich vermehren. Ein menschlicher Fischlift also. Was für ein Held!

Wasserkraft & Politik

ORF-Autorin Helena Fröhlich zeichnet dabei ein umfangreiches Bild der Problematik. Der wasserkraftbedingte Flussverbau der Tiroler Flüsse am Beispiel Sanna, die schleppende bis nicht vorhandene Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie Nationalem Gewässerbewirtschaftungsplan (Anm.: Bis 2027 müssen alle Querverbauten in Bächen und Flüssen fischdurchgängig sein.) und – wie sollte es auch anders sein – das politische Hin- und Herschieben der Verantwortung zwischen Land und Gemeinden. Politisches Geplänkel halt. Kennt man auch aus anderen Bundesländern.

Fakt ist: Die Durchgängigkeit für Fische muss endlich geschaffen werden. Bei allen Querverbauten, Wasserkraftwerken, Schwellen. In Tirol, in Österreich, in ganz Europa. Sonst sind unsere Flüsse bald leer. Prädatoren und chemische Einträge geben nämlich zusätzlich den Rest. Bis es allerdings soweit ist, werden die Fischer aus Landeck weiterhin mit der Fliegenrute unterwegs sein und als „menschlicher Fischlift“ fungieren. Hoffentlich tun es ihnen viele andere Fischer gleich. Hoffentlich gewinnt dieser Einsatz auch zukünftig Aufmerksamkeit durch Massenmedien. Helena Fröhlich sollte als Autorin dieses wichtigen und zugleich menschlichen Berichtes ebenso viele Nachahmer finden wie Helmut Alexander.

Zum ORF-Beitrag gelangst du HIER

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