Österreichs Fischereiverbände uneins und ignorieren Einladung zur Zusammenarbeit.

„Typisch Österreich“ möchte man erzürnt und lauthals rausschreien. Zumindest dann, wenn man auch nur einen Funken an das große Ganze oder an eine gemeinsame Sache glaubt. Österreichs Fischereiverbände uneins wie eh und je.

Angler, Fischer, Angelfischer hierzulande haben beileibe kein leichtes Leben. Flussverbau, Ausbau der Wasserkraft, chemische Einträge aus der Landwirtschaft, Neozoen und freilich nicht zu vergessen, die enorme Belastung durch Prädatoren wie Fischotter, Kormoran, Gänsesäger und Reiher. „Am liebsten würd´ ich den Hut draufhauen. Es is´ zum Heulen.“ – Zitat eines Fischereivereins-Obmannes aus der Obersteiermark, der nach über 40 Jahren Gewässerbewirtschaftung keine Zukunft sieht.

Was also tun?

Nun ja, glaubt man den Zahlen (Anm.: Es gibt übrigens keine einzige Stelle, bei der man valide Zahlen erhält) so gibt es in Österreich zwischen 120.000 und 180.000 gültige Fischereilizenzen. All die Wochenend-Teichfischer und Tageskarten nicht eingerechnet. Und jene ohne behördliche Karte sowieso nicht. Schon ein ziemliches Gewicht um Themen aufzuzeigen und gemeinsam für die gemeinsame „Sache der Angel-Fischerei“ aufzutreten, würde man meinen. Würde…

Die Wahrheit schaut freilich völlig anders aus. Jedes Bundesland, jeder Verband, gar jeder Verein kocht sein eigenes Supperl. Gemeinsame Arbeit, Abstimmung, Absprache, Kräfte bündeln? Fehlanzeige! Diesen Mangel bekundete auch kürzlich die Österreichische Fischereigesellschaft. Geplant war, zusammen mit dem VÖAFV und ÖKF, ein bitter nötiges Koordinierungsgespräch mit den Landesverbänden zu terminisieren. Zwecks Kräfte bündeln und so warat´s g´wesen. Von 9 Landesverbänden haben genau 3 (!!!) – Kärnten, Niederösterreich, Wien – geantwortet und waren um ein Gespräch bemüht. Die anderen Bundesländer haben nicht einmal reagiert! Im Übrigen wären sämtliche Kosten für so einen Termin von den Präsidenten Günther Kräuter (VÖAFV) und Franz Kiwek (ÖFG) vollumfänglich übernommen worden. #justsayin

Die ÖFG schrieb dazu dezent gefrustet: „Unter den Bundesländern koordinierte Fischereigesetze, die gesamtösterreichische Fischereiinteressen und jene des Fremdenverkehrs berücksichtigen, ohne die gesetzliche Autonomie der Bundesländer in Frage zu stellen, gemeinsames Auftreten gegenüber den Medien, der Verwaltung, der Politik und den stets in der Öffentlichkeit präsenten NGOs – all das scheint manchen Funktionären nicht sonderlich wichtig zu sein.“

Macht Druck auf eure Verbände!

Österreichs Fischereiverbände uneins: Darum liebe Angler, Fischer, Angelfischer aus dem Burgenland, der Steiermark, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg, ein Appell an euch: Macht euren Bundesland-Verbänden Dampf! So Dampf, dass sie von ihren verkrusteten Sesseln fallen und ihre Hintern hoch bewegen. Dass sie das Gespräch suchen und es endlich eine gesamtösterreichische Strategie im Umgang mit den uns auferlegten Schwierigkeiten ermöglichen. Gebt ihnen Gas! Denn eines ist klar… Wenn jeder für sich kämpft ist jeder dieser Mini-Kämpfe aussichtslos. Können wir aber 180.000 Stimmen bündeln, schaut die Sache schon anders aus!

3 Kommentare
  1. Philip Payer sagte:

    Ich habe die Inhalte aufmerksam gelesen kann bei einem übergeordneten Punkt dem Geschriebenen beipflichten:
    Synergieeffekte zu finden ist nie ein Nachteil! Zusätzlich stimme ich dem zu dass in Österreich kein gemeinsamer Lobbyismus für „Angler“ existiert, möchte aber gleichzeitig den bedingungslosen Aufruf nach gemeinsamen Auftreten kritisch betrachten:

    1. Österreich ist von der Gesamtfläche sehr klein, dennoch sind nicht nur die Unterschiede der Landschaften und Gewässer riesig, sondern vor allem die Mentalitätsunterschiede dürfen bei aller Sachebene nie ausser A cht gelassen werden….
    2. Es stellt sich für mich grundsätzlich die Frage in welcher organisatorischen Verbindung der VÖAFV und ÖFG zu den Landesverbänden stehen? Hier wird suggeriert, dass die Landesverbände Teile des VÖAFV darstellen, das nicht den Tatsachen entspricht
    3. Den Aufruf irgendwelchen trägen, rückständigen Verbandsfunktionären Druck zu machen halte ich für entbehrlich um nicht zu sagen für vorsätzlich unqualifiziert. Jeder der mit seiner „freiwilligen“ Interessensvertretung unzufrieden ist, kann sich je nach Verbands-Statuten zu einer Wahl stellen und sich in seiner Freizeit, in einem Verein ehrenamtlich, nachhaltig und demokratisch engagieren – der Landesverband hat ( auch falsch suggeriert) nämlich keinen Behördenstatus inne.
    Des Weiteren frage ich mich, wie man Landesverbände, die bisher gut gearbeitet haben und bor allem die Interessen ihrer Mitglieder gut abdecken konnten, sich nun auf organisatorische Experimente einlassen sollten?
    Im Übrigen ist ein Verband von der Rechtsform her nichts a deres als ein Verein, mit dem Unterschied, dass dessen Mitglieder Vereine sind – ergo ersuche ich jedem, bevor er sich online wahllos Funktionäre raussucht, empfehlen, einem Verein beizutreten, einen zu gründen und über Jahre hinweg in dessen Rahmen Gewässer zu bewirtschaften und zu erhalten und über seine jeweiligen Vereinsfunktionäre dann in der HV des Verbandes konstruktiv auf die Strategie Einfluss zu nehmen.

    Fazit: Synergien JA, gemeinsamer Austausch JA, alles andere eher utopisch

    Ein Hinweis noch: blickt in unser Nachbarland und denkt dran, was nach der Fusion der beiden großen Verbände passiert ist…

    PS: in meiner Funktion als Schriftführer würde mich interessieren, wo/an wen die besagte angebliche Einladung an den VBFV gegangen ist? Bitte die Antwort per Mail

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  2. Thomas Maucha sagte:

    Es wird Zeit die Köpfe aus dem Sand zu nehmen und alle an einen Tisch zu bringen.
    Die euch aufgegeben Arbeiten beginnen am Ufer und Hören erst am Grund des jeweiligen Gewässer auf .
    Ich denke das auch der Tierschutz unter der Wasseroberfläche mehr anerkannt werden muss!
    Mein Fazit dazu ist:
    Wer nichts tut zur rechten Zeit wird sehen was noch über bleibt!

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  3. Tscharlie sagte:

    Bereits zwischen 1890 und 1910 gab es Bemühungen die Kräfte der Fischerei einheitlich zu bündeln – leider ist dieser Versuch aus ähnlichen Gründen wie heute fehlgeschlagen. Ich befürchte, daran wird sich kaum etwas ändern. Lieber wird im stillen Kämmerlein oder am Stammtisch über die ach so schlechte Welt weitergejammert, derweil die Gewässer und ihre Bewohner sprichwörtlich den Bach runtergehen. Persönliche Animositäten, Standesdünkel, Ignoranz, „Vogel Strauß Politik“, „Wir san Wir“ Mentalität oder schlicht Dummheit stehen einer schlagkräftigen und geeinten Vertretung fischereilicher Interessen im Wege. Schade um diese vergebene Chance …

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